Drei Lockdowns haben ihre Spuren hinterlassen, sowohl ökonomisch als auch politisch, aber vor allem auch psychisch. Social Distancing hat uns in eine Situation versetzt, in der viele von uns plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen waren. Soziale Kontakte wurden eingeschränkt und damit die Möglichkeiten zum Austausch, zur Ablenkung und zur Gestaltung unseres Lebensalltags. Die Ausnahmesituation hat unsere Psyche einer Belastungsprobe unterzogen, vor der die Wissenschaft immer wieder gewarnt hat und deren Langzeitfolgen noch nicht abschätzbar sind. Doch wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren scheint in dieser Lage die schlechteste aller Optionen zu sein. Vielmehr gilt es nun, die Herausforderung anzunehmen um daran zu wachsen.

Leichter gesagt als getan, vor allem, weil wir auch mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben. Singles sind ihrem Singledasein ausgeliefert, während Pärchen sich einer dauerhaften Zweisamkeit stellen müssen. Erwachsene müssen einen Spagat zwischen Beruf und Familienleben in den eigenen vier Wänden hinbekommen oder schlimmer noch, stehen beruflich vor dem Scherbenhaufen. Kinder und Jugendliche müssen ihren Alltag zwischen gestressten Eltern und wechselnden schulischen Bedingungen bestreiten. Besonders hart trifft es jedoch Alleinerziehende, Geringverdiener und Risikogruppen. So betrachtet sollte Social Distancing eher in ein Physical Distancing umgewandelt werden, denn sozial sollten wir jetzt mehr als sonst zusammenhalten. Aber der Reihe nach…

Ein Jahr Singledasein ohne Verabredungen oder die Chance eine Partnerin oder einen Partner zu finden war hart. Der Neid auf jene, die als Pärchen die Herausforderungen meisten durften, wuchs mit der zunehmenden eigenen Einsamkeit. Das Gras ist in Nachbars Garten nunmal immer grüner. Damit das wachsende Einsamkeitsgefühl sich nicht auch noch zu einer Depression auswächst, braucht es Strategien. Die bereits bestehenden sozialen Kontakte sollten gut gepflegt werden. Anrufe, Videocalls und abgesicherte gemeinsam Spaziergänge lockern den Alltag auf. Das Stören der Einsamkeit ist gut um nicht an ihr zu verzweifeln. Auf sich selbst zurückgeworfen zu sein kann aber auch eine Chance sein, eine Chance sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich Fragen zu beantworten, die im Trubel der Normalität oft untergehen. Was wünsche ich mir von meinem Leben? Wie möchte ich mein Leben gestalten? Was macht mich wirklich glücklich? Achten Sie dabei auch auf Kleinigkeiten, die sie glücklich und fröhlich stimmen und darauf, wie sie selbst zu diesem Glück beitragen können. Dabei hilft es die eigenen Gedanken zu verschriftlichen – egal wie unliterarisch die Sätze klingen mögen, auf Papier Gebrachtes lässt sich gut ordnen und analysieren. Dazu kann ein Journal hilfreich sein, aber ein Stapel loser Papiere tut es auch. 

Wenn’s doch nur so rosig wär, wie der Single denkt. Die meisten Paare kämpfen genauso mit der Ausnahmesituation. Stress und dauerhafte Zweisamkeit drücken ebenso auf die Psyche wie dauerhafte Einsamkeit, und diese kann auch innerhalb einer Partnerschaft auftreten. Viele Paare sind durch die dauerhafte Nähe Belastungen ausgesetzt – hier müssen sich die Partner verstärkt als Individuen wahrnehmen und sich Freiräume innerhalb der Partnerschaft schaffen, was in kleinen Wohnungen oft zum Problem wird. Sich bewusst Zeit für sich zu nehmen und sich mit dem Partner oder der Partnerin abzustimmen, kann oft Wunder wirken. 
Besteht in der Partnerschaft aber eine unterkühlte Stimmung, in der die Nähe zu kurz kommt, dann braucht es offene und ehrliche Gespräche zwischen den Partnern. In beiden Fällen kann es hilfreich sein eine offene Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, dabei sollten sie die Wirkung von Düften nicht unterschätzen. Unser olfaktorischer Sinn ist maßgeblich für unser Wohlsein mitverantwortlich.

Unabhängig vom Liebesleben sind Erwachsene den ökonomischen Spannungen ausgesetzt und sehen nicht selten ihre berufliche Existenz bedroht. Solcher Druck wirkt sich negativ auf unsere Psyche aus und in weiterer Folge auf unsere körperliche Gesundheit. Dabei gehen manche besser mit schwierigen Situationen um als andere. Die Resilienzforschung interessiert sich besonders für dieses Phänomen. Dabei hat sich gezeigt, dass Menschen mit einem positiven Mind-Setting besser durch Krisen kommen als andere. Hierbei geht es nicht darum die Krise zu verharmlosen, vielmehr geht es um eine nüchterne Betrachtung, die Gefahren klar erkennt, jedoch nicht überreagiert und versucht Chancen in der Krise zu entdecken. Leicht gesagt. Nun, zum einen kann es hilfreich sein, jene Aspekte des eigenen Lebens zu sehen, für die man im Vergleich mit anderen dankbar sein kann, weil sie einem die Krisenbewältigung erleichtern. Das kann ein engmaschiges soziales Netzwerk sein auf das man zurückgreifen kann oder auch der Umstand in einem Land mit einem guten Gesundheitssystem zu leben. Zum anderen ist es ratsam, sich nicht zu scheuen um Hilfe zu bitten, wenn Sie sich mit einer Situation überfordert fühlen. Für manche Menschen ist das ein schwerer Schritt, aber Fakt ist, Sie müssen nicht alles alleine bewältigen. Jede Gesellschaft ist auf der Aufteilung von Aufgaben aufgebaut, um Hilfe zu bitten, ist so betrachtet ganz im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft.

Ihre liebe Not mit der Pandemie haben auch Kinder und Jugendliche. Einsamkeit und Restriktionen im Alltag machen auch Ihnen schwer zu schaffen. Doch auch hier kann man gegensteuern. Studien zeigten, dass Mädchen und Jungen die in Krisenzeiten Verantwortung durch die Erledigung von Aufgaben übernehmen, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten ausbilden und verbessern können. Dennoch sollten Eltern auf sich verändernde Verhaltensweisen bei ihren Kindern achtgeben. Soziale Einschränkungen können unter Umständen Defizite und Belastungen nach sich ziehen. Es hilft jedenfalls mit Kindern offen und ehrlich zu kommunizieren. Kinder müssen Zusammenhänge verstehen, um Maßnahmen mitzutragen. Wenn Sie Bezüge zwischen Maßnahme und Ursache herstellen können, haben sie eine Chance vernünftig zu handeln. 

Ganz allgemein gilt es in Krisen nicht planlos zu agieren. 4 einfache Tipps wirken oft Wunder, um die eigene Psyche vor negativen Auswirkungen zu schützen:

  1. Struktur schaffen – ein Stunden- oder Wochenplan erzeugt Routinen die uns Halt geben können. Auch in Ausnahmesituationen lohnt es, den Lebensalltag zu organisieren. Das Schafft vor allem ein Gefühl der Kontrolle, damit man der Krise nicht hilflos ausgeliefert ist. Dabei sind auch Zeiten für bewusste Entspannung wichtig mit Meditation, Yoga oder einfach nur einer Tasse Tee.
  2. Aktivität fortsetzen – Körperliche Betätigungen sind wichtig. Psyche und Physis agieren miteinander. Körperliche Bewegung und Sport haben positive Auswirkung auf unsere Psyche.
  3. Schlafrhythmen einhalten – Achten Sie darauf nicht länger im Bett zu bleiben als sonst auch. Längere Liegedauer und Schlaf führen nicht etwa zu einem höheren Energiehaushalt, im Gegenteil, sie fördern Erschöpfung und depressive Stimmungen. 
  4. Kontakte pflegen– Bleiben Sie in Kontakt mit ihren Liebsten. Dabei spielen Telefon, Videocalls, Briefe und Ansichtskarten genauso eine wichtige Rolle wie gelegentliche gemeinsame Spaziergänge unter den gesetzten Sicherheitsmaßnahmen.